„Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen“

Sagte Johann Wolfgang von Goethe einmal. Und wie recht er doch hatte, mit dieser Aussage.

Worum es geht?

Es geht nicht um „Gegenständliches Malen“ oder darum „Kunstwerke“ zu erschaffen. Viel mehr bietet der Prozess des Malens einen Zugang zur eigenen inneren Welt. Das Bild das entsteht, wird zum Spiegel der Seele.

Es gibt Themen und Bereiche, bei denen es uns schwer fällt Worte zu finden, für das was uns berührt. Oder es ist für uns zu schmerzlich. Genau hier findet die Kunsttherapie ihren Platz.

Das Gestalten von Bildern oder Plastiken kann eine heilende Wirkung haben.

Der Prozess

Sich in Farbe und Form auszudrücken – etwas von innen nach außen zu bringen – bietet oft schon die erste Entlastung. Man kann etwas Abstand gewinnen und sich seinem Thema von einer anderen Perspektive aus nähern. Von außen auf etwas Inneres zu schauen, kann uns dabei viele Erkenntnisse schenken.

Der Prozess erstreckt sich in der Regel über mehrere Sitzungen. Im gemeinsamen Gespräch finden auch Gefühle und Gedanken, die während der KunstTherapie und des Prozesses auftauchen ihren Platz. In dem entstehenden Bild oder der Plastik steckt dabei nicht nur das Problem oder Thema, vielmehr können wir darin auch den Ent-Wicklungs-Prozess sehen und Lösungen erarbeiten oder finden.

Es gibt bezüglich der eingesetzten Materialien und Techniken keine Grenzen.

Voraussetzungen

Es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig. Es ist jedoch unerlässlich, dass man sich auf den Prozess einlassen möchte.

Es gibt Menschen, die sehr gehemmt sind und die aus Angst, dass sie Versagen könnten oder nach ihrer Meinung die „Aufgabe“ nicht zufriedenstellend erfüllen können, keinen Stift oder Pinsel in die Hand nehmen wollen.
Natürlich wäre an dieser Stelle eine andere Therapieform der einfacherer Weg.

Aber aus Sicht der Kunsttherapie, wäre die Überwindung dieser Ängste und Befürchtungen schon bereits ein TherapieErfolg ;-)…

Beispiel eines Prozesses

dieser Prozess zog sich über einige Sitzungen und somit mehrere Wochen. Wobei nicht jedes Bild einer konkreten Sitzung zu zuordnen ist. Ich dokumentiere, wenn wir gemeinsam erkennen: hier ist ein gutes Stück geschafft.

Zu Beginn ist da oft sehr viel Schmerz und wenig, oder sogar nichts ist wirklich greifbar. Ein Gefühl von Überforderung und Ohnmacht ist präsent.

Einen Impuls den ich am Anfang des Prozesses oft mit einwerfe ist: gibt es Personen die involviert sind? Diese müssen weder benannt noch im Gespräch aufgegriffen werden.

Es ist nicht nur ein „reiner Malprozess“, sondern ein begleitetes Sprechen und reflektieren und auch ein „in den Körper spüren“. Was sagt mir mein Körper, wo sitzt mein Schmerz?

Ich lasse Gefühle und Stimmungen in Farbe aufgreifen. Frage, was gebraucht wird, damit Wunden heilen dürfen.

Manchmal zeigen sich durch solch einen Prozess auch Dinge, die aus dem Gleichgewicht geraten sind und „ent-decken“ Beziehungen, die dem Klienten schaden.

Wobei der Klient selbst die Deutungshoheit besitzt. Ich begleite den Prozess nur mit Fragen und Impulse, den der Klient ist der Experte für sein Thema. Ich bin nur Expertin für die Technik. Zusammen in dieser Verbindung kommen wir sehr weit.

Was in dem Prozess immer wieder hinterfragt wird:

Wo ist der Klient?
Wo ist sein Platz?
Fühlt er sich da gut?
Wer ist unmittelbar drumherum?
Wie sind die Beziehungen zu den Personen?
Muss etwas verändert werden, damit er heilen und sich weiter entwickeln kann?
Welche Ressourcen gibt es?

Wenn das JETZT wirklich gut erkennbar ist, geht es darum nach vorne zu schauen…

Gibt es Wünsche und Träume?

An diesem Punkt haben sich die Gefühle schon deutlich verändert. Ungeweinte Tränen sind geweint. Blockierte Gefühle sind in Fluss gekommen. Der Atem ist tiefer und freier, und das Körpergefühl hat sich deutlich verändert.

Das Verständnis für die eigenen Wunden und die eigene persönliche Geschichte ist gereift während eines solchen Prozesses.

Alles wird dadurch „klarer“. Der Klient hat für sich Erkenntnisse und Sinn gefunden. Man hat erkannt: „Ja, verdammt, es hat weh getan und es hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen… ABER ICH BIN HEUTE HIER. ICH BIN AM LEBEN. ICH HABE ES ÜBERLEBT.
… UND ICH BIN DADRUCH GEWACHSEN UND STÄRKER GEWORDEN.

Kein Prozess ist gleich

Es ist für mich immer eine sehr berührende Arbeit. Ich selbst habe auch viele Jahre lang gemalt, um zu überleben.

Unausprechliches wird greifbar und bekommt eine Form, wird ausgedrückt, wird plötzlich sichtbar.

Durch dieses „sichtbar werden“ kann man plötzlich damit umgehen. In Verbindung mit der Körperarbeit beginnt man zu verstehen, wo im Körper sich der Schmerz abgesetzt hat.

Wie sage ich meinen YogaSchülern regelmäßig?

Nur auf das was man erkennt und wahrnimmt, kann man Einfluss nehmen und es bewusst verändern.

Hier noch ein sehr berührendes Bild am Ende eines ErkenntnisProzesses:

Nach unsäglichem Schmerz und absoluter Dunkelheit war erkennbar, das der Himmel voller Sterne ist, die Hoffnung schenken, dass es irgendwo Licht geben muss.
Der Leidensweg wurde als Initationsprozess erkannt und „umgedeutet“. Die Klientin erkannte sich von „Mutter Erde“ und der Schöpfung gehalten und getragen.

Selbst heute bekomme ich noch Gänsehaut, wenn ich das schreibe…